Geburt

Die 11 wichtigsten Tipps für eine natürliche Geburt

Die Geburt deines Kindes ist etwas ganz Besonderes und bleibt für immer in Erinnerung. Es ist der Beginn eines wichtigen Abschnittes in deinem Leben und dem Leben deines Kindes. An diesem ganz besonderen Tag wird nicht nur dein Kind geboren, auch du als Mutter wirst geboren.
Sobald man Frau den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält, kreist der Kopf meist auch schon um die bevorstehende Geburt. Gerade bei der ersten Schwangerschaft können Verunsicherungen und Fragen aufkommen.

Merke ich, wenn die Geburt richtig losgeht? Wo bekomme ich mein Kind? Wie wird sich die Geburt anfühlen? Wie wird die Geburt verlaufen? Werde ich natürlich gebären oder bekomme ich einen Kaiserschnitt? Wie kann ich mich auf diesen Tag vorbereiten?

Wann ist eine Geburt noch natürlich?

Die meisten Frauen wünschen sich eine natürliche Geburt. Doch leider erleben heutzutage in Deutschland die wenigsten Frauen noch eine selbstbestimmte, natürliche Geburt.

Ab wann ist eine Geburt eigentlich nicht mehr natürlich?

„Unter normaler Geburt versteht man eine physiologische Geburt, die spontan beginnt, sich im effektiven Rhythmus zwischen Wehen und Wehenpausen von alleine entwickelt und somit ohne fremdes Eingreifen der Muttermund öffnet, das Kind durch unwillkürlichen Pressdrang geboren wird.“

Quelle: WHO 1996 Care in normal birth (a practical guide, report of a technical working group)

Eine Geburt kann also auch dann noch als spontan, normal oder natürlich bezeichnet werden, wenn in den Geburtsverlauf extrem eingegriffen wurde. Nach einer Einleitung, einem Wehentropf, einer PDA, das Einsetzen der Zange oder Saugglocke und sogar nach Kristeller-Handgriff. Aber so wirklich “natürlich” ist das dann nicht mehr.

Unter natürlicher Geburt verstehe ich einen Geburtsprozess ohne großartiges Eingreifen von Hebammen und Ärzten, keine Interventionen wie Schmerzmittelgabe wie PDA oder Eingriffe wie Dammschnitt. Ständiges Abtasten und sonstige Untersuchungen zähle ich hier auch schon als Intervention.

Denn jedes Eingreifen, jede noch so kleine Intervention kann den natürlichen Geburtsprozess beeinträchtigen und behindern.

Doch wie gebäre ich dann am besten? Was brauche ich unter der Geburt, um “gut” und am besten selbstbestimmt und natürlich zu gebären? Wer kann mich unterstützen? Und wie sieht diese Unterstützung aus?

Gib die Verantwortung nicht ab!

Ich beobachte oft, dass viele Erstgebärende nicht ihrem eigenen Körper vertrauen. Da eine Geburt eine neue Erfahrung ist, können die Schwangeren es nicht einschätzen, wie ihr Körper diesen Ausnahmezustand meistern wird. Dadurch sind sie verunsichert und geben die Verantwortung unterbewusst an medizinisches Fachpersonal ab, da sie denken, dass diese ja schon wüssten, wie eine Geburt am besten funktioniert.

Doch Fachkräfte im Krankenhaus arbeiten nach einem bestimmten Schema. Sie haben einen vorgegebenen Ablauf, der wenig Spielraum für Geburten lässt, die nicht in ihre Rahmenbedingungen passen. Keine Geburt gleicht der anderen. Man kann keine Schablone auf Geburten legen und behaupten, dass alle Geburten SO verlaufen müssen.

In Krankenhäuser herrscht Zeitdruck und Personalmangel. Die Leitlinien erschweren dazu den Angestellten die Arbeit. Und dann muss sich die Geburt ja auch noch für die Klinik rentieren…

Daher werden alle Mütter 2-3 Tage nach der Geburt nach Hause entlassen, egal ob sie sich gerade im völligen Hormonumschwung befinden. Nach dem 3.Tag auf der Wochenbettstation ist die Frau einfach nicht mehr rentabel. Da kann der oft vorkommende Babyblues am 3.Tag nach der Geburt von den Hebammen leider nicht emotional aufgefangen werden. Aber das ist ein anderes Thema…

Was braucht eine Gebärende während der Geburt?

GeburtsHILFE ist das, was der Großteil der Frauen benötigt. Und sich auch wünschen. Doch durch den Hebammenmangel wird Geburtshilfe in Kliniken und Krankenhäuser immer seltener.

Hebammen in diesen Einrichtungen müssen teilweise bis zu 4 Geburten gleichzeitig betreuen. Das bedeutet sie laufen von einem Kreissaal in den nächsten und haben keine Zeit, um lange bei einer Frau zu verweilen. Darum solltest du dich über das Thema Geburt vor der Geburt gut informiert haben, damit du weisst, wie du gut gebären kannst, wenn du im Kreissaal merkst, dass dich deine zuständige Hebamme eventuell nicht so begleiten kann, wie du es dir erhofft hast.

Privatsphäre, Zeit, Zuversicht und Vertrauen sind existenzielle Voraussetzungen für das Gebären an sich. Und eine individuelle Begleitung ist absolut wünschenswert.

Denn egal wie die Zustände in Krankenhäuser sind, es ist DEINE Geburt. Dieses Erlebnis ist einzigartig und prägt. Du allein hast Einfluß darauf, wie dieser Tag in deiner Erinnerung bleibt. Du allein hast die Verantwortung! Es ist schließlich dein Körper und es ist dein Baby!

Glaube an dich!

Glaube an dich und an deinen Körper, dass du gebären kannst! Dein Körper ist dazu gemacht, um Kinder zu gebären. Lass dein Tier heraus. Spüre diese gewaltige Urkraft deines Körpers und surfe auf den Wehen Wellen.

Lass dich darauf ein. Nehme den Schmerz an, als etwas, was dich von Welle zu Welle deinem Kind näher bringt. Konzentriere dich auf deinen Körper und dein Baby. Vertraue deinem Baby, deinem Körper, der Natur, der Urkraft.

 

Die 11 wichtigsten Tipps für eine schöne Geburt

  1. Mindset-Check:Überprüfe deine persönliche Einstellung

    Überprüfe deine persönliche Einstellung. Welche Bilder hast du von einer Geburt im Kopf? Eine gute psychologische Vorbereitung während der Schwangerschaft kann den Geburtsverlauf positiv beeinflussen. Nimm die Herausforderung an, du kannst und wirst sie bewältigen. Ein wenig Angst ist normal und gehört dazu. Glaube an deine Fähigkeit zu gebären. Mache dir Mut und denke positiv.

  2. Visualisiere dir deine Wunschgeburt

    Wie würdest du dir den Ablauf deiner Geburt wünschen? Wie sieht deine persönliche Wunschgeburt aus? Stelle dir in Gedanken den Ablauf deiner Traumgeburt vor. Vielleicht kannst du dadurch fühlen, wie dein Kind auf die Welt kommen möchte. Durch die Visualisierung verfestigt sich dein Geburtsbild und kann dann auf den Geburtsprozess durch den “eingeübten Verlauf” unterbewusst positive Wirkung zeigen.

  3. Suche dir ein gutes Team

    Wähle deine Geburtsbegleitung sorgfältig aus.Vertraute Personen, die dich liebevoll motivierend durch die Geburt begleiten sind viel wert. Suche dir Unterstützung durch rücksichtsvolle Geburtshelfer. Das kann dein Partner, deine beste Freundin, deine Schwester oder eine andere vertraute Person sein, die dir z.B. Wasser & Energiesnacks anbietet, dich massiert, Mut macht, usw. Die Geburtsbegleiter sollten volles Vertrauen in dich und deinen Geburtsprozess haben und dich nicht verunsichern. Eine (Beleg-) Hebamme, die dich liebevoll, aufmunternd und unablässig begleitet gibt dir die nötige Sicherheit, um Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Suche dir so früh wie möglich eine Hebamme! Denn durch den Hebammenmangel gestaltet sich die Suche mittlerweile immer schwieriger…

  4. Suche dir deinen Geburtsort gut aus

    Eine vertraute Umgebung ist sehr wichtig. Du musst dich sicher und geborgen fühlen, entspannen und loslassen können. Fühlst du dich im Krankenhaus wohl genug um entspannen zu können? Oder vielleicht in einem Geburtshaus? Oder kannst du dich zu Hause doch am besten entspannen? Vielleicht fühlst du dich ja im Wasser besonders wohl, dann wäre eventuell eine Wassergeburt von Vorteil. Außerdem wird durch das Wasser die Haut aufgeweicht und kann sich leichter dehnen, was Geburtsverletzungen verringern oder sogar verhindern kann.

  5. Ruhe und Zeit

    Geburt braucht Ruhe und Zeit. Jede Geburt dauert unterschiedlich lange. Nimm dir die Zeit. Sei geduldig mit dir und deinem Baby. Du solltest während dem Geburtsprozess auch keine lästigen Fragen beantworten müssen. Denn Nachdenken aktiviert den Neocortex und dieser sollte deaktiviert sein, um den Geburtsprozess voranzutreiben. Also nicht denken. Lass dich treiben. Achte nicht auf die Zeit. Achte nur auf deinen Körper.

  6. Gedämpftes Licht

    Die meisten Kinder werden nachts geboren. Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass Licht den Neocortex aktiviert, was (wie Nachdenken) geburtshindernd wirkt. Also kein helles Licht während der Geburt. Es darf gerne etwas lieber dunkler an deinem Geburtsort sein.

  7. Aufrechte Körperhaltung

    Auf dem Rücken liegen ist nach dem Kopfstand die ungünstigste Position. Dadurch kann sich dein Becken nicht so gut öffnen. Nutze die Schwerkraft, damit dein Becken sich dehnen kann und du nicht gegen die Schwerkraft arbeiten musst. Eine aufrechte Position vermindert nachweislich Komplikationen. Ein Türrahmen ist übrigens sehr gut geeignet, um Schmerzen im Lendenbereich zu lindern, wenn du dich in den Türrahmen stellst und an der einen Seite des Rahmens abstützt und deine Lende an die andere Seite drückst.

  8. Bleibe in Bewegung

    Bleibe mobil. Bewege dich so, wie dir zumute ist. Dein Körper weiß intuitiv, was das Beste in diesem Ausnahmezustand ist. Tanzen oder mit der Hüfte kreisen wirkt wahre Wunder. So kann dein Baby sich super in den Geburtskanal “eindrehen”.

  9. Trinke genug

    Trinke während der Geburt genug, damit dein Kreislauf stabil bleibt. Du wirst ziemlich Durst bekommen, da die Geburtsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes pure Arbeit ist! Es ist anstrengend und du wirst ins Schwitzen kommen. Aber leere unbedingt regelmäßig deine Blase, denn eine volle Blase kann den Geburtsfortschritt behindern.

  10. Angemessene Nutzung der technologischen Möglichkeiten

    Im Krankenhaus besteht die Gefahr, dass man sich als Gebärende schnell in der Klinikmaschinerie wiederfindet. Dauer-CTG und stündliches Abtasten kann den Geburtsprozess stören. Eine angemessene Nutzung der technologischen Möglichkeiten kann aber sehr sinnvoll sein.

  11. Natürliche Schmerzmittel

    Versuche ohne künstliche Schmerzmittel auszukommen, es lohnt sich! Künstliche Schmerzmittel können die Verbindung zwischen dir und deinem Baby unterbrechen. Dein Körper ist außerdem selbst in der Lage soviel Glücksgefühle und somit Schmerzmittel (Dopamin) zu produzieren, dass Schmerzmittel meist überflüssig ist. Natürliche Schmerzlinderung bringen z.B. Massagen.

 

Mit all diesen Tipps legst du den Grundbaustein für eine schöne Geburt. Bleib jedoch flexibel, falls die Geburt eine Wendung nimmt und es anders kommt, als du es dir erhofft hast.

Wenn du dich noch weiter auf deine Geburt vorbereiten möchtest, kannst du in meinen  >Buchempfehlungen<  einige tolle Bücher finden, die für eine intensive Geburtsvorbereitung hilfreich sind.

Ich wünsche dir eine wunderschöne, natürliche und selbstbestimmte Geburt!

Alles Gute!

Deine Janika